In verschiedener Hinsicht etwas fürs Auge
Die Muay Thai Arena aus Rorschach als
Veranstalter rief, und die Anhänger des Kampfsports kamen. Deren 500
versammelten sich in der Alten Kreuzbleiche zu St.Gallen, um mitzuerleben,
wie mutige Männer ohne Furcht und Tadel in den Ring stiegen und um ihre
Ehre kämpften. Denn viel mehr gibt es für Amateure nicht zu gewinnen,
wenngleich die Verlierer zumindest eine Medaille, die Gewinner einen Pokal
erhalten. Der im Programmheft angekündigte Frauenkampf entfiel, was keinen
wirklich zu stören schien.
Eisbeutel
Dass beim Kampfsport - insbesondere beim Thai-
und Kickboxen, wo es weder sich noch den Gegner zu schonen gilt - ab und
an etwas ins Auge geht, ist nachvollziehbar. Ringarzt Arnold Jaeger hatte
denn auch Gelegenheit, in das eine oder andere zugeschwollenEin Eisbeutel
fürs Auge.Denjenigen, die mit ihren Augen keine Probleme hatten, und deren
Blick in den Ring nicht durch einen Eisbeutel verwehrt blieb, wurde in den
Kampfpausen Unterhaltung in Form von Nummern-Girls geboten. Wobei der
jeweils aufbrausende Applaus weniger mit der zur Schau getragenen
Rundennummer als viel mehr mit den Rundungen der Nummernträgerin zu
erklären war. Mehr optisch denn musikalisch überzeugte auch DJ Ombré, der
zum besseren Verständnis seiner Musik - viel Bass und ein wenig Melodie -
zwei junge Frauen mit sich im Ring tanzen liess.
Verschenktes Unentschieden
Seiner Reputation als Höhepunkt wurde der
Europameisterschafts-Kampf um den vakanten IKBO-Titel (-70 kg) gerecht.
Dem Auge des Betrachters entging nicht, dass im Vergleich zu den
vorangegangenen Begegnungen mit dem Basler Andreas Marchetti und dem
Deutschen Albert Zimmermann zwei Akteure im Ring standen, die ihr Hand-
und Fusswerk verstanden. Es entwickelte sich ein intensiver Kampf, bei
welchem in den ersten Runden keiner der beiden Athleten gravierende
Vorteile für sich erkämpfte. Marchetti gefiel vor allem durch seinen
offensiven, kraftvollen Kampfstil. Technisch besser boxte der
Deutsche.Dieser baute ab der sechsten von acht Runden zusehends ab. Das
war nicht verwunderlich, war er doch vorerst nicht für den EM-Kampf
vorgesehen. Er ersetzte kurzfristig seinen Landsmann Achim Häuser, der
verletzungsbedingt absagte. Wohl auch vor diesem Hintergrund ergab sich
die Wertung der Kampfrichter, die auf Unentschieden lautete. Zum Unmut der
Zuschauer, die den Schweizer als Sieger sahen. Nach kurzer Beratung
verkündete Zimmermanns Trainer, sein Kämpfer verzichte auf das
Unentschieden, wenn Marchetti ihm eine Revanche zugestehe. Marchetti liess
sich darauf den EM-Gürtel umbinden und schaut nun einer Titelverteidigung
entgegen.Ralph WeibelRainer Bolliger
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